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Auskultation am Herzen: die zwei Töne, die fünf Punkte und die eine Regel für jedes Klappengeräusch

10 Minuten LesezeitStand: September 2026Von André, Heilpraktiker Wissen Community

Seite aus dem Prüfungsskript Herz und Kreislauf mit den fünf Auskultationspunkten
Die Seite aus dem Prüfungsskript „Herz und Kreislauf“ der Community, die dieselbe Frage beantwortet: Wo hört man welche Klappe?

Beim Abhören des Herzens hörst du zwei Töne. Der erste ist der Anspannungston der Kammer beim Schluss der Segelklappen, der zweite der Schluss der Taschenklappen. Töne sind normal. Alles, was dazwischen rauscht, ist ein Geräusch, und Geräusche sind immer krankhaft. Wo du welche Klappe hörst, sagt dir ein Satz: Anton Pulmonal trinkt Milch um 22:45. Und welches Geräusch zu welchem Klappenfehler gehört, musst du nicht auswendig lernen. Es gibt eine Regel, die alles herleitet. Sie steht in der Mitte dieses Artikels.

Die zwei Töne

Das Herz arbeitet im Takt: Systole, die Anspannung, in der die Kammern das Blut auswerfen. Diastole, die Entspannung, in der sie sich wieder füllen. Und es gibt nur zwei Momente, in denen überhaupt eine Klappe offen ist: In der Füllungsphase sind die Segelklappen offen (Mitral- und Trikuspidalklappe, zwischen Vorhof und Kammer). In der Austreibungsphase sind die Taschenklappen offen (Aorten- und Pulmonalklappe, am Ausgang der Kammern). In allen anderen Momenten ist alles dicht.

Daraus entstehen die zwei Töne:

Der Satz, den du wörtlich parat hast: Herztöne sind physiologisch, Herzgeräusche sind immer pathologisch. Ein zischendes, rauschendes Geräusch zwischen den Tönen ist fast immer ein Klappenfehler.

Die fünf Punkte

Der Abhörpunkt liegt nicht dort, wo die Klappe anatomisch sitzt, sondern dort, wo der Schall über das Blut hin fortgeleitet wird. Deshalb hört man die Mitralklappe an der Herzspitze und die Aortenklappe rechts vom Brustbein, obwohl beide links im Herzen sitzen.

KlappeAbhörpunktMerkhilfe
Aortenklappe2. Zwischenrippenraum (ICR) rechts neben dem BrustbeinAnton
Pulmonalklappe2. ICR links neben dem BrustbeinPulmonal
Erb-Punkt3. ICR links neben dem Brustbein, alle Klappen zusammen hörbartrinkt drei Liter
Trikuspidalklappe4. (bis 5.) ICR rechts neben dem BrustbeinTrinkt … 22:45
Mitralklappe5. ICR links in der Medioklavikularlinie, die HerzspitzeMilch … 22:45
Anton Pulmonal trinkt Milch um 22:45

Von oben rechts nach unten links: Aorta 2 rechts, Pulmonalis 2 links, Trikuspidalis 4 rechts, Mitralis 5 links. Die Zahlen 2, 2, 4, 5. Und der Erb-Punkt im 3. ICR links als Orientierungspunkt, an dem man alle Klappen gleichzeitig hört. Klingt bekloppt, funktioniert aber.

So machst du es in der Praxis: Der Patient sitzt oder liegt leicht erhöht, entkleidet bis zur Hüfte, ruhige Atmung. Du gehst die Punkte in fester Reihenfolge durch, an jedem Punkt hörst du mehrere Schläge, und du hörst auf drei Dinge: Rhythmus (regelmäßig?), Töne (beide da, laut, leise?) und Geräusche (gibt es eins, und wann?). Bei einem Geräusch fühlst du gleichzeitig den Puls an der Halsschlagader: Fällt das Geräusch mit dem Puls zusammen, ist es in der Systole, ein Systolikum. Liegt es zwischen den Pulsschlägen, ist es in der Diastole, ein Diastolikum.

Die eine Regel für jedes Klappengeräusch

Eine Klappe kann nur zwei Dinge falsch machen. Entweder sie geht nicht richtig auf, das ist die Stenose, die Verengung. Oder sie geht nicht richtig zu, das ist die Insuffizienz, die Schlussunfähigkeit. Und jetzt die Regel, die dir das Auswendiglernen erspart:

Frag dich: Wann müsste diese Klappe eigentlich offen sein? Ist sie in dieser Phase verengt (Stenose), rauscht es in genau dieser Phase, weil das Blut sich durch die Enge quält. Ist sie in der anderen Phase undicht (Insuffizienz), rauscht es in der anderen Phase, weil das Blut zurückpendelt, wo alles dicht sein müsste.

Die Taschenklappen (Aorta, Pulmonalis) sind in der Systole offen. Die Segelklappen (Mitral, Trikuspidal) sind in der Diastole offen. Daraus ergibt sich alles:

GeräuschPasst zu
Systolikum (in der Auswurfphase)Aortenstenose, Pulmonalstenose (Taschenklappe zu eng, wenn sie offen sein müsste) · Mitralinsuffizienz, Trikuspidalinsuffizienz (Segelklappe undicht, wenn sie zu sein müsste)
Diastolikum (in der Füllungsphase)Mitralstenose, Trikuspidalstenose (Segelklappe zu eng, wenn sie offen sein müsste) · Aorteninsuffizienz, Pulmonalinsuffizienz (Taschenklappe undicht, wenn sie zu sein müsste)

Die Prüfungsaussage, die in genau dieser Form immer wieder kommt: Ein diastolisches Geräusch spricht für Mitralstenose oder Aortenklappeninsuffizienz. Und umgekehrt: Ein systolisches Geräusch spricht für Aortenstenose oder Mitralinsuffizienz. Wer die Regel hat, muss sich das nicht merken, er leitet es in drei Sekunden her.

Die vier Klappenfehler, die gefragt werden

Erworbene Klappenfehler betreffen fast immer das linke Herz, weil dort der viel höhere Druck herrscht. Vier musst du kennen:

Aortenklappenstenose. Meist verkalkt im Alter, seltener nach rheumatischem Fieber. Raues Systolikum im 2. ICR rechts, fortgeleitet in die Halsschlagadern, manchmal als Schwirren tastbar. Die linke Kammer muss gegen die Enge anpumpen und verdickt sich. Leitsymptome unter Belastung: Angina pectoris, Schwindel bis zur Ohnmacht, Luftnot. Kleine Blutdruckamplitude (oberer und unterer Wert eng beieinander), schwacher, langsamer Puls. Gefahr: plötzlicher Herztod. Und sie kann lange ohne Beschwerden laufen, weil das Herz die Enge zunächst durch Muskelaufbau ausgleicht.

Aortenklappeninsuffizienz. Die Klappe schließt nicht, in der Diastole fällt Blut aus der Aorta in die Kammer zurück. Diastolikum, und der Gegensatz zur Stenose, den die Prüfung liebt: große Blutdruckamplitude, zum Beispiel 160 zu 40, weil der untere Wert wegfällt. Dazu der Wasserhammerpuls, schnell, kräftig, hoch, manchmal sichtbares Pulsieren. Die Prüfungsaussage „Typisch für eine Aortenstenose ist eine große Blutdruckamplitude“ ist deshalb falsch, das ist die Insuffizienz.

Mitralklappenstenose. Der häufigste erworbene Klappenfehler, klassisch als Spätfolge eines rheumatischen Fiebers nach einer Streptokokken-Angina. Diastolikum an der Herzspitze mit paukendem erstem Herzton. Das Blut staut sich in den linken Vorhof, der weitet sich, es droht Vorhofflimmern mit Gerinnseln und Schlaganfall, dann staut es in die Lunge mit Luftnot, später leidet das rechte Herz. Blickdiagnose: die Mitralbäckchen, rötlich-bläuliche Wangen bei blassem Gesicht.

Mitralklappeninsuffizienz. In der Systole pendelt Blut zurück in den Vorhof. Systolikum an der Herzspitze, typischerweise bis in die Achselhöhle fortgeleitet. Volumenbelastung links, am Ende Herzschwäche.

Dazu zwei Randfiguren: Der Mitralklappenprolaps, eine harmlose Vorwölbung bei etwa fünf Prozent der Menschen, oft junge schlanke Frauen, mit einem Klickgeräusch. Und der offene Ductus Botalli beim Kind mit einem Maschinengeräusch ohne Pause im 2. ICR links.

Die Falle mit der Amplitude

Aortenstenose gleich kleine Amplitude, Aorteninsuffizienz gleich große Amplitude. Die Prüfung tauscht das gern. Wer die Regel versteht, verwechselt es nie: Bei der Insuffizienz läuft in der Diastole Blut zurück, deshalb fällt der untere Druck weg, deshalb wird die Spanne groß.

Und was tust du damit?

Ein neu gehörtes Herzgeräusch ist immer ein Grund für den Arzt: Sorgfaltspflicht und weitergehende Verfahren, denn die Diagnose sichert der Kardiologe mit dem Herzultraschall. In der Prüfung sagst du, was du gehört hast, wo, und in welcher Phase, und wozu es passt: „Systolikum im 2. ICR rechts mit Fortleitung in die Karotiden, kleine Amplitude, Schwindel bei Belastung. Das passt zur Aortenstenose. Weil ein plötzlicher Herztod droht, schicke ich zum Kardiologen zur Echokardiographie.“ Und ein Klassiker dazu: Fieber plus neues Herzgeräusch plus Osler-Knötchen an den Fingern heißt bakterielle Endokarditis, ein Fall für die Klinik.

Echte PrüfungsfragePrüfung März 2025

Welche Aussage trifft zu?

  • A Die Aortenklappenstenose tritt bevorzugt im jüngeren Lebensalter auf.
  • B Die Aortenklappenstenose ist fast immer angeboren.
  • C Die Aortenklappe trennt den linken Vorhof vom linken Ventrikel.
  • D Eine Aortenklappenstenose kann lange Zeit asymptomatisch verlaufen.
  • E Eine Aortenklappenstenose muss stets operiert werden.
Lösung anzeigen

Richtig ist D.

Eine Aortenklappenstenose kann lange keine Beschwerden machen, weil das Herz die Enge zunächst durch Muskelaufbau ausgleicht. A ist falsch, sie tritt eher im höheren Alter durch Verkalkung auf. B ist falsch, meist erworben. C ist falsch: Die Aortenklappe trennt die linke Kammer von der Aorta, Vorhof und Kammer trennt die Mitralklappe. E ist falsch, nicht jede Stenose muss operiert werden.

Echte PrüfungsfragePrüfung Oktober 2019

Welche der folgenden Aussagen zu Erkrankungen der Herzklappen treffen zu?

  1. Eine Fortleitung des Geräusches in die Karotiden kann bei der Aortenstenose auftreten
  2. Typisch für eine Aortenstenose ist eine große Blutdruckamplitude
  3. Bei einer höhergradigen Aortenstenose besteht die Gefahr des plötzlichen Herztodes
  4. Bei einer höhergradigen Aortenklappeninsuffizienz ist ein systolisches und ein diastolisches Geräusch zu hören
  5. Bei der Aortenklappeninsuffizienz sind schon im Frühstadium periphere Ödeme erkennbar
  • A nur 1 und 2 sind richtig
  • B nur 4 und 5 sind richtig
  • C nur 1, 3 und 4 sind richtig
  • D nur 1, 2, 3 und 4 sind richtig
  • E 1-5, alle Aussagen sind richtig
Lösung anzeigen

Richtig ist C.

Bei der Aortenstenose wird das Geräusch in die Halsschlagadern fortgeleitet (1), und bei schwerer Stenose droht der plötzliche Herztod (3). Bei schwerer Aortenklappeninsuffizienz kann man neben dem Diastolikum auch ein systolisches Geräusch hören, weil die große Blutmenge durch die Klappe rauscht (4). Aussage 2 ist die Amplituden-Falle: Die Aortenstenose macht eine kleine Amplitude, die große gehört zur Insuffizienz. Aussage 5 ist falsch: Periphere Ödeme sind ein Spätzeichen, kein Frühzeichen.

Das musst du dir merken
  • Erster Herzton: Anspannungston, Segelklappen schließen. Zweiter Herzton: Taschenklappen schließen. Töne normal, Geräusche krankhaft.
  • Anton Pulmonal trinkt Milch um 22:45: Aorta 2 rechts, Pulmonalis 2 links, Trikuspidalis 4 rechts, Mitralis 5 links. Erb-Punkt 3 links.
  • Die Regel: Stenose rauscht in der Phase, in der die Klappe offen sein müsste. Insuffizienz rauscht in der Phase, in der sie zu sein müsste. Diastolikum heißt Mitralstenose oder Aorteninsuffizienz.
  • Aortenstenose: Systolikum in die Karotiden, kleine Amplitude, plötzlicher Herztod. Aorteninsuffizienz: Diastolikum, große Amplitude, Wasserhammerpuls.
  • Mitralstenose: Diastolikum, paukender erster Ton, Mitralbäckchen, nach rheumatischem Fieber, Vorhofflimmern. Mitralinsuffizienz: Systolikum in die Achsel.
  • Neues Geräusch heißt Kardiologe. Fieber plus neues Geräusch plus Osler-Knötchen heißt Endokarditis.

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