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Die 12 Hirnnerven mit Eselsbrücke: Reihenfolge, Aufgabe, Prüfungsfragen

9 Minuten LesezeitStand: September 2026Von André, Heilpraktiker Wissen Community

Gehirn von unten mit den zwölf Hirnnerven und ihren deutschen Namen
Das Gehirn von unten. Die Hirnnerven treten paarweise aus und sind von vorn nach hinten durchnummeriert: I ganz vorn am Riechkolben, XII am Hirnstamm.

Zwölf Hirnnerven, von I bis XII, von vorn nach hinten durchnummeriert. Drei davon melden nur ans Gehirn (riechen, sehen, hören), fünf steuern nur Muskeln, vier können beides. Mit zwei Eselsbrücken hast du Reihenfolge und Typ in einer halben Stunde sicher, und mit der Tabelle unten die Aufgaben dazu. In der Prüfung werden vor allem vier Dinge gefragt: die Gesichtslähmung, der Vagus, der Drillingsnerv und die drei Augenmuskelnerven.

Was ein Hirnnerv überhaupt ist

Die meisten Nerven des Körpers kommen aus dem Rückenmark, treten zwischen den Wirbeln aus und versorgen Rumpf, Arme und Beine. Die Hirnnerven sind die Ausnahme: Sie kommen direkt aus dem Gehirn, meist aus dem Hirnstamm, und versorgen vor allem Kopf und Hals. Riechen, Sehen, Augenbewegung, Gesicht, Kauen, Hören, Schlucken, Sprechen, alles läuft über sie. Eine Ausnahme hat einen Ausflug in den Bauch gemacht, dazu gleich mehr.

Es sind zwölf Paare, immer links und rechts. Man nummeriert sie mit römischen Zahlen in der Reihenfolge, in der sie von vorn nach hinten aus dem Gehirn austreten. Das ist der Grund, warum der Riechnerv die I ist und der Zungennerv die XII.

Und es gibt drei Typen:

Der Merksatz für die Typen

Sensorisch = melden. Motorisch = machen. Gemischt = beides. Wer diese drei Wörter hat, versteht jede Frage zum Hirnnerventyp.

Die zwölf Hirnnerven in einer Tabelle

Nr.NameDeutschTypAufgabe
IN. olfactoriusRiechnervSRiechen. Reiner Wahrnehmungsnerv der Nase.
IIN. opticusSehnervSSehen. Leitet die Bilder vom Auge ins Gehirn.
IIIN. oculomotoriusAugenbewegerMBewegt die meisten Augenmuskeln, hebt das Oberlid, verengt die Pupille.
IVN. trochlearisRollnervMBewegt den oberen schrägen Augenmuskel, Blick nach unten-innen. Der dünnste Hirnnerv.
VN. trigeminusDrillingsnervBGefühl im Gesicht (drei Äste: Auge, Oberkiefer, Unterkiefer) und die Kaumuskulatur.
VIN. abducensSeitwärtswenderMBewegt den seitlichen geraden Augenmuskel, Blick nach außen.
VIIN. facialisGesichtsnervBMimik, Geschmack der vorderen zwei Drittel der Zunge, Tränen- und Speicheldrüsen.
VIIIN. vestibulocochlearisHör- und GleichgewichtsnervSHören und Gleichgewicht.
IXN. glossopharyngeusZungen-Rachen-NervBGeschmack des hinteren Drittels der Zunge, Schlucken, Ohrspeicheldrüse.
XN. vagusder UmherschweifendeBDer große Parasympathikus: Herz, Lunge, Verdauung. Dazu Kehlkopf und Stimme. Der längste Hirnnerv, reicht bis in den Bauch.
XIN. accessoriusBeinervMKopfwender (M. sternocleidomastoideus) und Kapuzenmuskel (M. trapezius).
XIIN. hypoglossusZungennervMZungenmuskulatur, wichtig fürs Sprechen und Schlucken.

S = sensorisch, M = motorisch, B = beides.

Zwei Eselsbrücken, die alles festhalten

Die Reihenfolge der Namen. Der Klassiker, den fast jeder Medizinstudent kennt, mit den Anfangsbuchstaben O-O-O-T-T-A-F-V-G-V-A-H:

Onkel Otto orgelt tagtäglich, aber freitags vögelt Großvater verschiedene alte Hühner.

Olfactorius, Opticus, Oculomotorius, Trochlearis, Trigeminus, Abducens, Facialis, Vestibulocochlearis, Glossopharyngeus, Vagus, Accessorius, Hypoglossus.

Der Satz ist derb, und genau deshalb bleibt er hängen. Wer eine harmlosere Fassung mag: „Onkel Otto orgelt tagtäglich, aber freitags verkauft Großvater viele alte Hüte.“

Der Typ jedes Nervs. Ebenfalls ein Klassiker, auf Englisch, mit S für sensorisch, M für motorisch und B für beides, in der Reihenfolge I bis XII:

Some Say Marry Money, But My Brother Says Big Brains Matter Most.

S S M M B M B S B B M M. Also: I und II sensorisch, III und IV motorisch, V gemischt, VI motorisch, VII gemischt, VIII sensorisch, IX und X gemischt, XI und XII motorisch.

Beide Sätze zusammen dauern beim Aufsagen zehn Sekunden. Sprich sie dir im Auto vor, bis sie von allein kommen, und du hast Nummer, Name und Typ aller zwölf Nerven für immer.

Die vier Dinge, die die Prüfung wirklich fragt

Die Prüfung will selten die ganze Tabelle. Sie will die Stellen, an denen ein Ausfall etwas Erkennbares macht, denn genau das musst du in der Praxis sehen. Vier Themen kommen immer wieder:

1. Die Gesichtslähmung: peripher oder zentral?

Der N. facialis (VII) steuert die Mimik. Fällt er aus, hängt eine Gesichtshälfte: Der Mundwinkel sinkt, das Auge schließt nicht mehr richtig, der Patient kann nicht pfeifen. Die Prüfung fragt dann eine Sache, die über Notfall oder nicht entscheidet: Ist die Stirn mitbetroffen?

Merk dir den Satz: Stirn frei heißt Gehirn, Stirn mit heißt Nerv. Stirn frei ist ein Notfall, Rettungsdienst, Schlaganfall. Stirn mit ist meist keiner, gehört aber zum Arzt, schon wegen der Borreliose.

2. Der Vagus

Der N. vagus (X) ist der Nerv, mit dem die Prüfung gern Physiologie abfragt. Er ist der wichtigste parasympathische Nerv des Körpers. Parasympathikus heißt: der Ruhe-Nerv. Er verlangsamt das Herz, fördert die Verdauung, verengt die Bronchien. Deshalb: Eine Reizung des Vagus verlangsamt den Herzschlag, sie beschleunigt ihn nicht. Der Druck auf den Karotissinus am Hals, der bei manchen Menschen zur Ohnmacht führt, läuft über genau diesen Reflex. Und weil der Vagus bis in den Bauch reicht, ist er auch der Nerv, über den die Darmtätigkeit gesteuert wird.

Dazu ein Ast, der eigene Prüfungsfragen hat: der N. recurrens, der Stimmbandnerv, ein Ast des Vagus. Er läuft direkt hinter der Schilddrüse. Wird er bei einer Schilddrüsen-Operation verletzt, ist die Folge Heiserkeit, weil ein Stimmband gelähmt ist, bei beidseitiger Verletzung Luftnot. Das ist eine Klassiker-Frage aus dem Kapitel Schilddrüse, die aber über den Hirnnerven läuft.

3. Der Drillingsnerv

Der N. trigeminus (V) versorgt das Gefühl im Gesicht über drei Äste: V1 zum Auge und zur Stirn, V2 zum Oberkiefer, V3 zum Unterkiefer. Außerdem steuert er die Kaumuskeln. Zwei Prüfungsklassiker:

4. Die drei Augenmuskelnerven

Drei Nerven bewegen den Augapfel: III, IV und VI. Der Oculomotorius (III) macht die meiste Arbeit und hat zwei Zusatzaufgaben, die die Prüfung liebt: Er hebt das Oberlid, und er verengt die Pupille über parasympathische Fasern. Fällt er aus, hängt das Lid, die Pupille ist weit, und das Auge schaut nach außen-unten, weil nur noch IV und VI arbeiten. Der Abducens (VI) zieht das Auge nach außen, der Trochlearis (IV) nach unten-innen. Fällt einer der drei aus, entstehen Doppelbilder, weil die beiden Augen nicht mehr in dieselbe Richtung schauen. Doppelbilder sind deshalb ein Warnzeichen, das in Prüfungsfragen zu Multipler Sklerose, Botulismus und Hirnnervenausfällen auftaucht.

Kleine Klassiker für die schnelle Wiederholung

Echte PrüfungsfragePrüfung Oktober 2008

Welche der folgenden Aussagen zur Fazialisparese treffen zu?

  1. Sie kann im Zusammenhang mit einer Herpes-zoster-Infektion auftreten
  2. Die idiopathische periphere Fazialisparese heilt oft ohne weitere Therapie ab
  3. Sie kann nach einem Trauma auftreten
  4. Als Ursache kommt auch eine Borrelieninfektion in Frage
  5. Eine Beteiligung des Stirnastes lässt in erster Linie an einen Schlaganfall denken
  • A nur 1 und 2 sind richtig
  • B nur 3 und 4 sind richtig
  • C nur 2, 4 und 5 sind richtig
  • D nur 1, 2, 3 und 4 sind richtig
  • E 1-5, alle sind richtig
Lösung anzeigen

Richtig ist D.

Die Fazialisparese kann bei Herpes zoster auftreten (1), die idiopathische Form heilt oft von selbst (2), sie kann nach einem Trauma (3) und durch Borreliose (4) entstehen. Aussage 5 ist die Falle: Gerade wenn der Stirnast mitbetroffen ist, spricht das für eine periphere Lähmung, nicht für einen Schlaganfall. Beim Schlaganfall bleibt die Stirn beweglich. Stirn frei heißt Gehirn, Stirn mit heißt Nerv.

Dieselbe Frage kam im März 2026 in neuer Verpackung wieder: „Was sind typische Ursachen für eine periphere Fazialisparese?“ Richtig waren Borreliose, idiopathisch, Herpes zoster und Trauma. Die Legionellose war der Störenfried.

Echte PrüfungsfragePrüfung Oktober 2020

Welche Aussage trifft zu? Die Untersuchung des Kornealreflexes dient der Prüfung des Hirnnerven:

  • A N. oculomotorius (III)
  • B N. trochlearis (IV)
  • C N. trigeminus (V)
  • D N. abducens (VI)
  • E N. accessorius (XI)
Lösung anzeigen

Richtig ist C.

Der Kornealreflex, also der Lidschluss beim Berühren der Hornhaut, prüft den N. trigeminus (V), denn dieser leitet das Berührungsgefühl von der Hornhaut zum Gehirn. Die Nerven III, IV und VI bewegen nur die Augen, der N. accessorius versorgt Schulter- und Halsmuskeln.

Das musst du dir merken
  • Zwölf Paare, von vorn nach hinten nummeriert. Sensorisch = melden, motorisch = machen, gemischt = beides.
  • Reihenfolge: „Onkel Otto orgelt tagtäglich, aber freitags …“. Typ: „Some Say Marry Money, But My Brother Says Big Brains Matter Most.“
  • Fazialisparese: Stirn frei heißt Gehirn (Schlaganfall, Notfall), Stirn mit heißt Nerv (peripher, oft Borreliose oder Zoster).
  • Vagus: Ruhe-Nerv, verlangsamt das Herz, steuert die Verdauung, bis in den Bauch. Sein Ast, der Recurrens, macht nach Schilddrüsen-OP Heiserkeit.
  • Trigeminus: Gefühl im Gesicht in drei Ästen und Kauen. Kornealreflex = Trigeminus.
  • Augenmuskeln: III, IV, VI. Ausfall macht Doppelbilder. III hebt das Lid und verengt die Pupille.

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