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Schlaganfall erkennen: der FAST-Test – und was der Heilpraktiker in dieser Minute tut

10 Minuten LesezeitStand: September 2026Von André, Heilpraktiker Wissen Community

Titelbild der Comic-Reihe Kopfsache aus der Community
Das Titelbild der Comic-Reihe „Kopfsache“ (Nervensystem) aus der Community. Der Schlaganfall ist mit 58 Fragen eines der meistgeprüften Einzelthemen.

Ein Schlaganfall erkennt sich in 30 Sekunden mit vier Buchstaben: F wie Face, lächeln lassen, hängt eine Seite? A wie Arms, beide Arme vorstrecken, sinkt einer ab? S wie Speech, einen Satz nachsprechen lassen, ist die Sprache verwaschen? T wie Time: Ist eines davon auffällig, sofort 112, und die Uhrzeit des Beginns notieren. Zeit ist Hirn. Der Rest dieses Artikels erklärt, was du als Heilpraktiker in dieser Minute tust, was du auf keinen Fall tust, und welche vier Krankheiten den Schlaganfall nachahmen.

FAST in 30 Sekunden

Das Wort ist Englisch, und es ist gleichzeitig die Eselsbrücke: fast heißt schnell. Vier Prüfungen, die jeder kann, ohne ein einziges Gerät:

Dazu vier Zeichen, die FAST nicht abdeckt und die du trotzdem im Kopf hast, weil ein Schlaganfall auch hinten im Gehirn sitzen kann: plötzliche Sehstörung (Doppelbilder, Ausfall einer Gesichtsfeldhälfte), plötzlicher heftiger Drehschwindel, plötzliche Gangunsicherheit wie betrunken, und plötzlich einsetzender heftigster Kopfschmerz. Das Wort, das alle verbindet, heißt plötzlich. Ein Schlaganfall kommt schlagartig, daher der Name.

Warum die Uhr die wichtigste Angabe ist

Bei einem Gefäßverschluss im Gehirn sterben in jeder Minute Millionen Nervenzellen, und die wachsen nicht nach. Deshalb der Satz, den du in der Prüfung sagen musst: Zeit ist Hirn.

Es gibt ein Zeitfenster. Ein Gerinnsel kann in der Klinik medikamentös aufgelöst werden, das nennt man Lyse, und dafür stehen etwa viereinhalb Stunden ab Symptombeginn zur Verfügung. In geeigneten Fällen kann ein Gerinnsel zusätzlich mit einem Katheter herausgezogen werden. Für beides muss die Klinik wissen, wann es losging. Und beides geht nur, wenn vorher im Bild geklärt ist, dass keine Blutung vorliegt. Wer beim Notruf sagt „Verdacht auf Schlaganfall, Beginn 14:20 Uhr, bitte in eine Klinik mit Stroke Unit“, hat dem Patienten mehr geholfen als mit jeder anderen Maßnahme.

Was du als Heilpraktiker in dieser Minute tust

  1. Notruf 112, Stichwort Schlaganfall, Uhrzeit des Beginns, Bitte um eine Klinik mit Schlaganfallstation (Stroke Unit).
  2. Lagerung: Oberkörper etwa 30 Grad hoch. Das entlastet den Druck im Kopf und hilft der Atmung. Die gelähmte Seite abpolstern, denn der Patient spürt sie schlecht.
  3. Nichts zu essen, nichts zu trinken. Keinen Schluck Wasser, keine Tablette. Ein Schlaganfall macht sehr oft eine Schluckstörung, dann läuft die Flüssigkeit in die Luftröhre. Die Lungenentzündung durch Verschlucken ist eine der häufigsten Todesursachen nach einem Schlaganfall. Eine herausnehmbare Zahnprothese kommt raus.
  4. Blutzucker messen. Immer. Die Unterzuckerung ist der große Nachahmer, sie sieht exakt aus wie ein Schlaganfall, und sie ist die einzige Ursache, die du sofort beheben kannst.
  5. Blutdruck und Puls messen, aber den Blutdruck nicht senken. Auch nicht bei 180. Der Körper drückt mit Absicht mehr Blut in das Gebiet hinter dem Verschluss. Wer senkt, vergrößert den Schaden. Beim Puls achtest du darauf, ob er unregelmäßig ist, das wäre ein Hinweis auf Vorhofflimmern.
  6. Kein Aspirin, keine Blutverdünnung. Solange niemand weiß, ob es eine Blutung ist, wäre das lebensgefährlich.
  7. Bei Bewusstlosigkeit mit normaler Atmung: stabile Seitenlage, und zwar auf die gelähmte Seite, damit die gesunde Seite oben liegt und sich frei bewegen kann. Atmung durchgehend kontrollieren.
  8. Bleiben, reden, dokumentieren. Ruhig mit dem Patienten sprechen, auch wenn er nicht antworten kann. Zeitpunkt des Beginns, Befunde, Werte, Zeitpunkt des Notrufs aufschreiben und dem Rettungsdienst übergeben.
Die drei Fehler, die in der Prüfung sofort auffallen

Erstens: dem Patienten ein Glas Wasser geben, „damit er sich beruhigt“. Zweitens: den hohen Blutdruck senken wollen. Drittens: Aspirin geben, „weil das ja das Blut verdünnt“. Alle drei klingen fürsorglich, alle drei können töten. Wer sie vermeidet und stattdessen die Uhrzeit notiert und den Blutzucker misst, hat die Frage bestanden.

Ischämie oder Blutung? Du kannst es nicht wissen

Es gibt zwei Sorten Schlaganfall. Der weitaus häufigere ist der Verschluss eines Hirngefäßes durch ein Gerinnsel, etwa 80 bis 85 Prozent aller Fälle. Das nennt man ischämisch, von Ischämie, der Minderdurchblutung. Die anderen 15 bis 20 Prozent sind Blutungen, ein geplatztes Gefäß, oft bei jahrelangem Bluthochdruck.

Und jetzt der Punkt, den du in der Prüfung sagen musst: Am Patienten kannst du das nicht unterscheiden. Beide sehen gleich aus. Dafür braucht es eine Bildgebung, eine Computertomographie. Deshalb sagst du nicht „Hirninfarkt“ und nicht „Hirnblutung“, sondern „akuter Schlaganfall“. Und deshalb gibst du kein Aspirin.

Die vier Nachahmer

Nicht alles, was so aussieht, ist ein Schlaganfall. Die Prüfung baut diese vier gern als Drehung ein:

NachahmerWoran du ihn erkennstWas du tust
UnterzuckerungDiabetiker, zittrig, schwitzend, verwirrt, halbseitige Schwäche möglich. Blutzucker unter 50.Wach und schluckfähig: Traubenzucker oder gezuckerten Saft. Bessert sich nichts: Notruf, der Verdacht Schlaganfall bleibt.
Periphere FazialispareseNur das Gesicht hängt, der Arm ist normal. Und die Stirn ist mitgelähmt, das Auge schließt nicht.Kein Notfall, aber zeitnah zum Arzt. Nach Zeckenstich und Wanderröte fragen (Borreliose).
Migräne mit AuraFlimmern vor den Augen, Kribbeln, das langsam über Minuten von der Hand den Arm hochwandert, danach pochender Kopfschmerz. „Kenn ich so.“Wenn bekannt und typisch: begleiten. Erstmalig, anders als sonst oder mit Lähmung: abklären, sofort.
Todd-PareseHalbseitige Lähmung nach einem epileptischen Anfall, Minuten bis Stunden. Wenn niemand den Anfall gesehen hat, sieht es aus wie ein Schlaganfall.Notruf. Die Unterscheidung macht die Klinik.

Dazu die Falle aus dem echten Leben: Alkohol. Lallende Sprache und unsicherer Gang können ein Rausch sein oder ein Schlaganfall. Genau deshalb wird so mancher Schlaganfall zu spät erkannt. Im Zweifel zählt der Schlaganfall.

Der Stirntest: die eine Untersuchung, die immer kommt

Lass den Patienten die Stirn runzeln und die Augenbrauen hochziehen. Kann er die Stirn auf beiden Seiten gleich gut runzeln, obwohl der Mundwinkel hängt, sitzt die Störung im Gehirn. Das ist der Schlaganfall. Kann er die Stirn auf der betroffenen Seite nicht runzeln und schließt das Auge dort nicht mehr richtig, ist der Gesichtsnerv selbst betroffen. Das ist die periphere Fazialisparese.

Warum? Der Teil des Gehirns, der die Stirn steuert, bekommt seine Befehle von beiden Gehirnhälften. Fällt eine aus, springt die andere für die Stirn ein. Der Mund wird nur von einer Seite versorgt, deshalb hängt er. Der Merksatz: Stirn frei heißt Gehirn, Stirn gelähmt heißt Gesichtsnerv. Mehr dazu im Artikel über die 12 Hirnnerven.

Die TIA: der Warnschuss

Manchmal sind nach zwanzig Minuten alle Beschwerden weg. Der Patient fühlt sich gut und will nach Hause. Das ist der gefährlichste Moment. Was er hatte, war wahrscheinlich eine TIA, eine transitorische ischämische Attacke, eine vorübergehende Durchblutungsstörung. Sie ist kein harmloses Ereignis, sondern ein Warnschuss: Das Risiko, in den nächsten Stunden und Tagen einen echten Schlaganfall zu bekommen, ist danach deutlich erhöht. Also bleibt es dabei: sofort in die Klinik, damit die Ursache gesucht wird, zum Beispiel eine verengte Halsschlagader oder ein Vorhofflimmern. Du hältst niemanden fest, aber du klärst eindringlich auf und dokumentierst das Gespräch. Und wenn er trotzdem geht, dokumentierst du auch das.

Für die Prüfung die Definition: Bei einer TIA bilden sich die Ausfälle innerhalb von 24 Stunden vollständig zurück, meist innerhalb von Minuten.

Wer gefährdet ist

Bluthochdruck, Vorhofflimmern (das Blut steht im Vorhof, gerinnt, und das Gerinnsel fliegt über die Halsschlagader in den Kopf), Diabetes, Rauchen, hohe Blutfette, Übergewicht, Bewegungsmangel, höheres Alter. Wer einen Patienten mit Vorhofflimmern ohne Blutverdünner in der Praxis hat, schickt ihn zum Arzt, das ist Sorgfaltspflicht, lange bevor etwas passiert.

So klingt das in der mündlichen Prüfung

„Der rechte Mundwinkel hängt, der rechte Arm sinkt ab, die Sprache ist verwaschen, und es hat vor meinen Augen begonnen. Ich notiere die Uhrzeit. Das ist ein akuter Schlaganfall, bis das Gegenteil bewiesen ist. Ich rufe die 112 mit dem Stichwort Schlaganfall und der Uhrzeit, lagere den Oberkörper 30 Grad hoch, gebe nichts zu essen oder zu trinken, messe den Blutzucker, um eine Unterzuckerung auszuschließen, messe Blutdruck und Puls, senke den Blutdruck aber nicht und gebe kein Aspirin, weil ich eine Blutung nicht ausschließen kann. Die Stirn kann er beidseits runzeln, also zentral, also Gehirn, nicht der Gesichtsnerv.“

Echte PrüfungsfragePrüfung März 2025

Welche der folgenden Aussagen zum Thema Schlaganfall treffen zu?

  1. Ein Schlaganfall ist oft das Ergebnis eines plötzlichen Mangels an Sauerstoff im Gehirn aufgrund einer Unterbrechung des Blutflusses und dadurch bedingtem Gewebsuntergang.
  2. Eine TIA (transitorische ischämische Attacke) zeichnet sich dadurch aus, dass die Symptome sich innerhalb von 24 Stunden vollständig zurückbilden.
  3. Ein ischämischer Schlaganfall tritt auf, wenn ein Blutgefäß im Gehirn platzt und Blut ins Hirngewebe gelangt.
  4. Ein hämorrhagischer Schlaganfall tritt auf, wenn ein Blutgerinnsel ein Blutgefäß im Gehirn blockiert.
  5. Schlaganfälle können zu Symptomen wie plötzlicher Taubheit oder Schwäche in Gesicht, Arm oder Bein, Verwirrung, Schwierigkeiten beim Sprechen oder Sehproblemen führen.
  • A nur 5 ist richtig
  • B nur 1, 2 und 5 sind richtig
  • C nur 2 und 4 sind richtig
  • D nur 1 und 3 sind richtig
  • E 1-5, alle sind richtig
Lösung anzeigen

Richtig ist B.

Ein Schlaganfall entsteht meist durch plötzlichen Sauerstoffmangel im Gehirn wegen unterbrochenem Blutfluss (1). Bei der TIA bilden sich die Ausfälle innerhalb von 24 Stunden vollständig zurück (2). Typische Zeichen sind plötzliche Taubheit oder Schwäche in Gesicht, Arm oder Bein, Verwirrung, Sprach- oder Sehstörung (5), das ist genau FAST. Die Aussagen 3 und 4 sind vertauscht: Der ischämische Schlaganfall kommt vom Gefäßverschluss durch ein Gerinnsel, der hämorrhagische von der geplatzten Ader.

Das musst du dir merken
  • FAST: Face, Arms, Speech, Time. Ein Zeichen reicht für die 112. Uhrzeit des Beginns notieren, Zeit ist Hirn, Lyse-Fenster etwa viereinhalb Stunden.
  • Oberkörper 30 Grad hoch, nichts essen oder trinken, Blutzucker messen, Blutdruck messen aber nicht senken, kein Aspirin.
  • Verschluss oder Blutung siehst du nicht, nur das CT. Deshalb sagst du „akuter Schlaganfall“.
  • Stirn frei heißt Gehirn (Notfall), Stirn gelähmt heißt Gesichtsnerv (kein Notfall, aber Arzt).
  • Die vier Nachahmer: Unterzuckerung, Fazialisparese, Migräne mit Aura, Todd-Parese. Im Zweifel zählt der Schlaganfall.
  • Die TIA ist trotz verschwundener Beschwerden ein Notfall. Sie ist der Vorbote.

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