Diabetes in der Heilpraktikerprüfung: die drei Zahlen 126, 200 und 6,5

Drei Zahlen entscheiden über die Diagnose Diabetes, und die Prüfung fragt sie in jeder zweiten Runde: Nüchternblutzucker ab 126 mg/dl, Gelegenheitswert ab 200 mg/dl mit Symptomen, Langzeitwert HbA1c ab 6,5 Prozent. Dazwischen liegt der Prädiabetes, nüchtern 100 bis 125. Wer diese Zahlen hat, die Unterschiede von Typ 1 und Typ 2 sauber sagen kann und die drei Komata auseinanderhält, hat bei diesem Thema kaum noch etwas zu verlieren. Diabetes ist eines der sichersten Themen der Prüfung, weil es sich nicht ändert und weil es keine Meinung dazu gibt.
Ein Hormon, ein Schlüssel
Um den Diabetes zu verstehen, brauchst du nur ein Hormon: das Insulin. Es wird in den B-Zellen der Langerhans-Inseln der Bauchspeicheldrüse gebildet. Zwei Sätze dazu musst du sicher können. Erstens: Insulin ist das einzige Hormon, das den Blutzucker senkt. Erhöhen können viele: Glukagon, Kortisol, Adrenalin, Schilddrüsenhormone, Wachstumshormon. Zweitens: Insulin ist anabol, also aufbauend, es speichert Zucker, Fett und Eiweiß. Das erklärt, warum Typ-1-Diabetiker abnehmen.
Das Bild dazu: Die Zelle ist ein Haus, die Glukose das Essen davor, das Insulin der Schlüssel. Nur mit dem Schlüssel kommt das Essen ins Haus, und der Blutzucker sinkt. Fehlt der Schlüssel, bleibt der Zucker draußen im Blut, und die Zelle hungert, obwohl das Essen vor der Tür steht.
Typ 1 gegen Typ 2
| Typ 1 | Typ 2 | |
|---|---|---|
| Mechanismus | absoluter Insulinmangel: Autoimmunerkrankung, Antikörper zerstören die B-Zellen | Insulinresistenz mit relativem Mangel: Insulin ist da, die Zellen hören nicht mehr darauf |
| Wer | jung, schlank, oft nach einem Virusinfekt | älter, übergewichtig, Teil des metabolischen Syndroms |
| Beginn | schnell, radikal, innerhalb von Wochen | schleichend über Jahre, oft Zufallsbefund |
| Anteil | 5 bis 10 Prozent | rund 90 Prozent |
| Therapie | immer Insulin, keine Lebensumstellung ersetzt das | erst Ernährung, Bewegung, Gewicht, dann Tabletten, später oft Insulin |
| Typisches Koma | ketoazidotisch | hyperosmolar |
Für die Prüfung die Definition wörtlich: Typ 1 ist ein absoluter Insulinmangel, das Wort absolut muss fallen. Typ 2 ist eine Insulinresistenz mit relativem Mangel. Und aus einem Typ 2 wird nicht einfach ein Typ 1, das sind verschiedene Mechanismen. Nur der Typ 1 ist eine Autoimmunerkrankung.
Zwei Sonderformen: Der Schwangerschaftsdiabetes entsteht, weil die Schwangerschaftshormone den Blutzucker erhöhen, und verschwindet meist nach der Geburt. Aber diese Frauen bekommen später oft einen Typ 2, ein Prüfungsklassiker in der Anamnese. Der sekundäre Diabetes entsteht, wenn etwas die B-Zellen schädigt: eine Pankreatitis, ein Cushing-Syndrom, eine Kortisontherapie.
Die Symptome, an denen du ihn erkennst
Alles folgt aus einem Mechanismus: Ab etwa 160 bis 180 mg/dl im Blut kann die Niere den Zucker nicht mehr halten, das ist die Nierenschwelle. Der Zucker geht in den Urin und zieht Wasser mit.
- Polyurie: viel Urin, weil der Körper den Zucker ausspült.
- Polydipsie: starker Durst durch den Wasserverlust, bis zur Austrocknung.
- Gewichtsverlust, Schwäche, Müdigkeit trotz Appetit, vor allem beim Typ 1, weil das aufbauende Insulin fehlt.
- Dazu die Zeichen, die im Fall die Richtung zeigen: wiederholte Pilzinfektionen im Genitalbereich (Zucker ist Futter für Pilze), schlechte Wundheilung, verschwommenes Sehen (die Linse quillt), Kribbeln in den Füßen (ein Spätschaden, der Diabetes läuft dann schon länger).
Ein Unterschied, den du sauber halten musst: Polyurie heißt oft und viel, das ist der Zucker. Pollakisurie heißt oft, aber wenig, das ist die Blase. Der Harnwegsinfekt macht Pollakisurie mit Brennen, der Diabetes Polyurie mit Durst.
Die drei Komata
| Ketoazidotisches Koma | Hyperosmolares Koma | Hypoglykämisches Koma | |
|---|---|---|---|
| Wer | Typ 1 | Typ 2 | jeder Diabetiker unter Insulin oder Tabletten |
| Was passiert | ohne Insulin verbrennt der Körper Fett, saure Ketonkörper entstehen, das Blut übersäuert (pH unter 7,3) | Blutzucker extrem hoch, über 600, massiver Wasserverlust, keine Übersäuerung | zu viel Insulin oder zu wenig gegessen, Blutzucker unter 50, gefährlich unter 40 |
| Tempo | Stunden bis Tage | Stunden bis Tage | Minuten |
| Erkennungszeichen | Kussmaul-Atmung (tief, schwer, Maschinenatmung, atmet die Säure ab), Azetongeruch wie Nagellackentferner, Bauchweh (Pseudoperitonitis) | trockene Haut, stehende Hautfalte, Verwirrtheit, Herzrasen | Heißhunger, Zittern, kalter Schweiß, Herzrasen, Unruhe, Krämpfe, dann Bewusstlosigkeit |
| Haut | trocken | trocken | feucht |
Die Notfall-Unterscheidung, die du im Schlaf können musst: Überzucker langsam, trocken, Durst. Unterzucker schnell, feucht, Heißhunger. Und daraus folgt die goldene Regel:
Wenn du nicht weißt, was vorliegt, und der Patient ist bei Bewusstsein und kann sicher schlucken: Gib Zucker. Traubenzucker, gezuckerten Saft, danach etwas Langsames wie Brot. Ein Unterzucker wird dadurch sofort besser, ein bisschen Zucker mehr bei einem Überzucker schadet in dem Moment kaum. Zu wenig Zucker kann in Minuten tödlich sein, weil das Gehirn ständig Zucker braucht. Bei Bewusstlosigkeit: nichts in den Mund, stabile Seitenlage, Notruf.
Die Spätschäden
Dauerhaft hoher Zucker verletzt die Gefäßwände, man sagt bildhaft: Zucker ist scharf. Bei den kleinen Gefäßen, der Mikroangiopathie, sind drei Organe betroffen:
- Auge: die diabetische Retinopathie, Schäden an der Netzhaut, in Deutschland die häufigste Erblindungsursache im Erwachsenenalter.
- Niere: die diabetische Nephropathie. Die feinen Filter gehen kaputt, Eiweiß geht in den Urin (erst als Mikroalbuminurie, das früheste Zeichen), am Ende droht die Dialyse.
- Nerven: die diabetische Polyneuropathie. Sie beginnt symmetrisch an den Füßen, weil das die längsten Nerven sind, und wandert nach oben, Socken-Muster. Erst geht das Vibrationsempfinden weg (Stimmgabeltest am Großzehengrundgelenk), dann Kribbeln, Brennen, Taubheit. Vegetativ: Blasenstörung, Verstopfung, Erektionsstörung. Und ein Klassiker: der stumme Herzinfarkt, weil der Diabetiker den Schmerz nicht mehr spürt.
Bei den großen Gefäßen, der Makroangiopathie: Herzinfarkt, Schlaganfall, Durchblutungsstörung der Beine. Und aus beidem zusammen der diabetische Fuß: Der Patient spürt die Wunde nicht, die Durchblutung ist schlecht, die Wunde heilt nicht, es droht die Amputation. Deshalb in jedem Diabetes-Fall: Schuhe und Strümpfe aus, Füße anschauen, Fußpulse tasten, Stimmgabel drauf.
Das metabolische Syndrom
Der Typ 2 kommt selten allein. Meist ist er Teil des metabolischen Syndroms, früher bildhaft das tödliche Quartett genannt: stammbetontes Übergewicht (Bauchfett), Diabetes, Fettstoffwechselstörung (hohe Triglyzeride, hohes LDL, niedriges HDL) und Bluthochdruck. Dazu oft erhöhte Harnsäure und Thromboseneigung, denn das Bauchfett ist ein aktiver Entzündungsherd. Wer im Fall eine übergewichtige Patientin mit Bluthochdruck vor sich hat, denkt an den Zucker, auch wenn sie wegen etwas anderem kommt.
Was du in der Praxis sofort machst
Normalerweise gilt: Wenn du Blut abnimmst, schickst du den Patienten nach Hause und siehst ihn übermorgen wieder. Beim Diabetes hast du aber zwei Dinge, die sofort ein Ergebnis liefern: den Blutzucker aus der Fingerkuppe und den Urin-Teststreifen. Der Stix zeigt dir Glukose (Nierenschwelle überschritten), Ketone (Typ 1, Ketoazidose, Notfall), Eiweiß (Niere leidet) und Nitrit (bakterieller Harnwegsinfekt). Das ist dein Labor ohne Warten, und es gehört in jeden Fall mit Durst und häufigem Wasserlassen.
Behandeln darfst du den Diabetes, es gibt kein Verbot und keine Meldepflicht. Aber eine Erstdiagnose mit Spätschäden ist Sorgfaltspflicht: Der Patient braucht möglicherweise verschreibungspflichtige Medikamente, die Augenspiegelung, die Fußambulanz, das große Labor. Also Hausarzt und Diabetologe. Und danach bist du ein wichtiger Teil des Konzepts: Ernährung (weniger schnelle Kohlenhydrate, keine Zuckergetränke), Bewegung jeden Tag (Muskeln sind die größten Zuckerverbraucher), Gewicht, Fußpflege, Blutdruck. Genau das, was der Hausarzt in zehn Minuten Sprechstunde nicht schafft. Mit Stoppkriterien: Schläfrigkeit, Verwirrtheit, extremer Durst, rote oder heiße Wunde am Fuß, plötzlicher Sehverlust, dann sofort zum Arzt.
Welche Aussage zum Diabetes mellitus im Kindesalter trifft zu?
- A Der Diabetes mellitus Typ 2 ist die häufigste Form im Kindesalter.
- B Die Inzidenz des Diabetes mellitus Typ 1 im Kindesalter ist stetig fallend.
- C Typische Symptome des unbehandelten Diabetes mellitus Typ 1 im Kindesalter sind Polyurie mit Glucosurie und Polydipsie.
- D Ein typisches Symptom beim unbehandelten Diabetes mellitus Typ 1 im Kindesalter ist die Gewichtszunahme.
- E Kinder mit einem unbehandelten Diabetes mellitus Typ 1 sind aufgedreht und sehr aktiv.
Lösung anzeigen
Richtig ist C.
Typische Zeichen des unbehandelten Typ-1-Diabetes beim Kind sind Polyurie mit Glukosurie (viel Urin, Zucker im Urin) und Polydipsie (viel Durst). A ist falsch, im Kindesalter ist Typ 1 die häufigste Form. B ist falsch, die Häufigkeit des Typ 1 steigt. D ist falsch, typisch ist Gewichtsverlust, weil das aufbauende Insulin fehlt. E ist falsch, die Kinder sind schlapp und müde.
- 126 nüchtern, 200 Gelegenheit oder nach Belastung, 6,5 Prozent HbA1c. Prädiabetes 100 bis 125. Nierenschwelle 160 bis 180.
- Insulin ist das einzige Hormon, das den Blutzucker senkt. Typ 1 absoluter Mangel (Autoimmun, jung, schlank, schnell), Typ 2 Insulinresistenz (älter, dick, schleichend, 90 Prozent).
- Polyurie viel, Pollakisurie oft und wenig. Pilze, Wundheilung, Sehen, Kribbeln zeigen die Richtung.
- Ketoazidose: Typ 1, Kussmaul, Azeton. Hyperosmolar: Typ 2, über 600, Austrocknung. Hypoglykämie: Minuten, feucht, Heißhunger. Im Zweifel Zucker, bewusstlos nichts in den Mund.
- Spätschäden: Auge, Niere, Nerven, Gefäße, Fuß. Schuhe aus, Stimmgabel, Fußpulse. Stummer Infarkt.
- Blutzucker und Urin-Stix sofort in der Praxis. Erstdiagnose ist Sorgfaltspflicht, danach bist du Teil des Konzepts.
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