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Die vier Allergietypen einfach erklärt: ein Bild für jeden Typ, das du nie wieder vergisst

11 Minuten LesezeitStand: September 2026Von André, Heilpraktiker Wissen Community

Titelbild der Comic-Reihe Fehlalarm aus der Community
Das Titelbild der Comic-Reihe „Fehlalarm“ (Allergien) aus der Community. Der Name ist das ganze Thema: Der Feind ist gar kein echter Feind.

Allergien sind fies zu merken, weil vier Typen mit Nummern, Antikörpern und griechischen Wörtern daherkommen. Deshalb hier für jeden Typ ein festes Bild aus dem Alltag: Typ I ist die gespannte Mausefalle, Typ II die falsche Blutkonserve, Typ III der verstopfte Abfluss, Typ IV der Nickelknopf der Jeans. Dazu zwei Anker: Wer kämpft, Antikörper oder Zellen? Und wie schnell, Minuten oder Tage? Wer die vier Bilder und die zwei Anker hat, leitet sich in der Prüfung jede Allergie-Frage her.

Drei Wörter zuerst

Antigen ist ein Erkennungsmerkmal auf einer Oberfläche, ein Türschild, an dem der Körper erkennt: eigen oder fremd. Antigene sitzen auf Bakterien und Viren, aber auch auf unseren eigenen Blutzellen, denk an die Blutgruppen A und B.

Antikörper ist die Antwort darauf: ein Eiweiß in Y-Form, das der Körper als Fahndungsfoto zu einem fremden Antigen baut. Die Kette musst du kennen: Ein B-Lymphozyt wird zur Plasmazelle, und die Plasmazelle stellt den Antikörper her. Antikörper heißen auch Immunglobuline, und es gibt fünf Klassen, Merkwort GAMED: IgG (der häufigste, das Langzeitgedächtnis), IgA (auf den Schleimhäuten), IgM (der größte, ein Fünferstern, reagiert als Erstes), IgE (der Allergie-Antikörper), IgD (der seltenste).

Allergen ist ein eigentlich völlig harmloser Stoff von außen: Blütenpollen, Nickel, eine Nuss. Und trotzdem dreht das Immunsystem durch. Das ist die ganze Krux: Der Feind ist gar kein echter Feind.

Und ein Punkt, den du dir merken musst: Beim ersten Kontakt passiert fast nichts. Das Immunsystem legt heimlich eine Akte an und bildet Antikörper. Das nennt man Sensibilisierung, Scharfstellen. Erst beim zweiten Kontakt ist der Körper vorbereitet und schießt über. Eine echte Allergie braucht immer einen ersten Kontakt.

Der falsche Zwilling: die Pseudoallergie

Sie sieht aus wie eine Allergie, ist aber keine. Der Unterschied ist prüfungswichtig: Die echte Allergie läuft über Antikörper und braucht das Scharfstellen, reagiert also erst beim zweiten Kontakt. Die Pseudoallergie hat keine Antikörper und kein Scharfstellen. Der Stoff reizt die Mastzellen direkt, und die kippen sofort Histamin raus. Deshalb kann eine Pseudoallergie schon beim allerersten Kontakt losgehen. Typische Auslöser: histaminreiche Lebensmittel wie Rotwein, Käse, Schokolade, Zusatzstoffe, Salicylate in Orange, Aprikose, Ananas, und das Aspirin, dazu gleich mehr.

Die zwei Anker

Anker eins: Wer kämpft? Bei Typ I, II und III kämpfen die Antikörper. Bei Typ IV, dem Außenseiter, kämpfen keine Antikörper, sondern Zellen, die T-Lymphozyten. Das ist der Merker für Typ IV: keine Antikörper, sondern Zellen.

Anker zwei: die Zeit-Leiter. Typ I reagiert sofort, in Minuten, merk dir eins wie eine Minute. Typ IV reagiert spät, nach Tagen, merk dir vier wie vier Tage. Typ II und III liegen dazwischen, Stunden bis Tage.

Die vier Typen mit ihren Bildern

Typ I, der Soforttyp: die gespannte Mausefalle

Beim ersten Kontakt bildet die Plasmazelle IgE-Antikörper, und die setzen sich auf die Mastzellen. Stell dir die Mastzellen wie überall im Gewebe aufgestellte Mausefallen vor, die IgE-Antikörper sind die scharf gestellten Bügel. Beim zweiten Kontakt springt das Allergen genau zwischen zwei dieser Antikörper und verbindet sie. Bäng, die Falle schnappt zu, die Mastzelle platzt auf und schleudert ihren Inhalt raus, vor allem Histamin. In Minuten.

Histamin ist der Feueralarm mit Sprinkleranlage: Die Gefäße gehen weit auf (rot und warm), sie werden durchlässig (Schwellung, Ödem, der Sprinkler flutet), es reizt die Nerven (Juckreiz), und es verengt die Bronchien (Atemnot). Rot, geschwollen, juckt, Atemnot.

Die Krankheiten: Heuschnupfen, Nesselsucht (Urtikaria) mit dem Quincke-Ödem, allergisches Asthma, Nahrungsmittelallergie, allergische Bindehautentzündung. Und der große Notfall obendrauf: der anaphylaktische Schock. Ein-Satz-Merker: Typ I gleich eine Minute, IgE, Mastzelle und Histamin, Heuschnupfen und Co.

Typ II, der zytotoxische Typ: die falsche Blutkonserve

Zyto heißt Zelle, toxisch heißt giftig. Stell dir vor, jemand bekommt bei einer Blutübertragung die falsche Blutgruppe. Jetzt trägt eine Zelle ein fremdes Merkmal, die Antikörper IgG und IgM erkennen das, docken an und zerstören die ganze Zelle, mit Fresszellen und Enzymen. Die Zelle platzt. Krankheiten: Transfusionszwischenfall, Rhesus-Unverträglichkeit zwischen Mutter und Kind, allergische Agranulozytose, bei der ein Medikament die weißen Blutkörperchen zerstört. Ein-Satz-Merker: Typ II gleich zwei Blutgruppen, die nicht zusammenpassen, IgG plus IgM zerstören die ganze Zelle.

Typ III, der Immunkomplex-Typ: der verstopfte Abfluss

Allergen und Antikörper (IgG) kleben zu kleinen Paketen zusammen, den Immunkomplexen. Die Klümpchen schwimmen im Blut und setzen sich wie Kaffeesatz in den feinen Sieben des Körpers fest: Niere, Gelenke, Lunge, Gefäßwände. Dort entsteht eine Entzündung, verzögert, nach Stunden bis Tagen. Krankheiten: die Farmerlunge (Heustaub) und die Vogelhalterlunge (Staub vom Vogelkot), die Serumkrankheit, die Nierenentzündung nach einer Streptokokken-Infektion, und die Vaskulitiden. Ein-Satz-Merker: Typ III gleich Dreierklumpen, der Niere und Lunge verstopft. Bauer und Vogel gleich Typ III.

Typ IV, der Spättyp: der Nickelknopf der Jeans

Du trägst tagelang den Jeansknopf oder den Modeschmuck, und erst nach ein, zwei Tagen wird die Haut an genau dieser Stelle rot und juckt. Keine Explosion wie bei Typ I, ein langsames Aufflammen. Und der wichtigste Merker: Typ IV ist der einzige Typ ohne Antikörper. Hier arbeiten die T-Lymphozyten direkt. Typ vier, das T steht für T-Zellen. Krankheiten: das Kontaktekzem auf Nickel, Chrom, Duftstoffe, der Tuberkulintest, die Transplantatabstoßung. Und eine fiese Prüfungsfalle: Die Kontaktallergie gehört zu Typ IV, obwohl das Wort Kontakt so nach sofort klingt. Ein-Satz-Merker: Typ IV gleich vier Tage später, T-Zellen statt Antikörper, Nickel am Hosenknopf.

Alle vier auf einen Blick

TypBildWer kämpftWie schnellKrankheiten
I Soforttypgespannte MausefalleIgE auf Mastzellen, HistaminMinutenHeuschnupfen, Urtikaria, Quincke-Ödem, Asthma, Nahrungsmittel, Anaphylaxie
II zytotoxischfalsche BlutkonserveIgG, IgM gegen ZellenStundenTransfusionszwischenfall, Rhesus, Agranulozytose
III Immunkomplexverstopfter AbflussIgG als KlumpenStunden bis TageFarmerlunge, Vogelhalterlunge, Serumkrankheit, Glomerulonephritis, Vaskulitis
IV SpättypNickelknopfT-Zellen, keine AntikörperTageKontaktekzem, Tuberkulintest, Transplantatabstoßung

Wie man das Allergen findet

Für Typ I der Pricktest: ein Tropfen Allergen auf die Haut, leicht eingestochen, nach 20 Minuten Quaddel ablesen. Immer mit zwei Kontrollen: Histamin als Positivkontrolle (da muss die Haut reagieren) und Kochsalz als Negativkontrolle (da darf nichts kommen). Varianten sind Scratch-, Reibe- und Intrakutantest. Für Typ IV der Pflastertest (Epikutantest), der mehrere Tage auf der Haut bleibt, denn Typ IV braucht Tage. Dazu Blut auf spezifisches IgE und bei Nahrungsmitteln das Ernährungstagebuch. Ein Haken: Ein positiver Test muss zu den Beschwerden passen, die Haut reagiert nicht immer wie das Körperinnere.

Der Notfall: die Anaphylaxie

Die Anaphylaxie ist der Typ I im ganzen Körper. Alle Mausefallen schnappen gleichzeitig zu, die Gartenschläuche werden alle weit und undicht: Der Druck ist weg, das Wasser läuft daneben. Vier Stadien:

  1. Nur die Haut: Quaddeln, Juckreiz, Rötung.
  2. Haut plus ein Organ: Kreislauf (Blutdruck fällt, Herzrasen), Magen-Darm (Übelkeit, Erbrechen) oder leichte Atemnot.
  3. Schock, verkrampfte Bronchien, Kehlkopfödem mit Pfeifen beim Einatmen.
  4. Atem- und Kreislaufstillstand.

Ab Stadium zwei ist der Notruf Pflicht, nicht erst, wenn der Patient blau wird. Was du tust: Zufuhr stoppen (Spritze abbrechen, Stachel wegkratzen, nicht quetschen), 112, Lagerung nach dem Führungssymptom (Schock: Beine hoch, Atemnot: Oberkörper hoch, laufend neu entscheiden), Notfallstift des Patienten anwenden helfen, Vitalzeichen alle zwei Minuten, Reanimation bereit. Und nach Adrenalin vom Notarzt geht niemand nach Hause: Die Anaphylaxie kann biphasisch verlaufen, Stunden später kommt eine zweite Welle. Klinik zur Beobachtung, dann Allergologe, Allergiepass, Notfallstift, Hyposensibilisierung.

Adrenalin und der Heilpraktiker: zwiegespalten

Adrenalin ist verschreibungspflichtig. Verordnen darfst du es nicht, und in vielen Skripten steht deshalb schlicht „kein Adrenalin“. So einfach ist es nicht. Im lebensbedrohlichen Notfall gilt die Hilfeleistungspflicht, und die Prüfung vom März 2025 hat als richtig gewertet: Bei den typischen Zeichen einer Anaphylaxie darf der Heilpraktiker in der akuten Erstversorgung Adrenalin spritzen. In der Praxis besorgen sich viele Heilpraktiker mit ihrer Erlaubnis über die Apotheke Adrenalin für den Notfallkoffer; ob und wie die Apotheke abgibt, ist nicht einheitlich geregelt. Für die Prüfung die saubere Antwort: nicht verordnen, im Notfall anwenden, Notruf. Den Notfallstift des Patienten nutzen, und wer Adrenalin im Koffer hat, muss damit umgehen können. Vorsicht bei Patienten unter Betablockern, da wirkt Adrenalin schwächer und kann Rhythmusstörungen machen.

Drei Klassiker, die immer kommen

Echte PrüfungsfragePrüfung März 2025

Welche Aussage trifft zu?

  • A Die Notfallmedikamente Epinephrin (Adrenalin) und Dexamethason dürfen nur von Ärzten angewandt werden.
  • B Kommt es im Rahmen einer neuraltherapeutischen Behandlung zu einem anaphylaktischen Notfall, so genügt die Kontrolle der Vitalparameter als Sorgfaltspflicht des Heilpraktikers.
  • C Adrenalin-Autoinjektoren werden unabhängig vom Körpergewicht angewandt.
  • D Bei charakteristischen Symptomen der Anaphylaxie wie dem plötzlichen Auftreten von Hautsymptomen zusammen mit respiratorischen Symptomen oder plötzlichem Blutdruckabfall darf der Heilpraktiker bei der Erstversorgung akuter Notfälle Epinephrin parenteral spritzen.
  • E Anaphylaktische Reaktionen schreiten ohne Therapie stetig fort.
Lösung anzeigen

Richtig ist D.

Bei den typischen Zeichen einer Anaphylaxie, plötzliche Hautsymptome zusammen mit Atemproblemen oder plötzlichem Blutdruckabfall, darf der Heilpraktiker in der akuten Notfall-Erstversorgung Adrenalin spritzen, das kann Leben retten. Falsch: Adrenalin ist im Notfall nicht allein den Ärzten vorbehalten (A). Nur Vitalwerte kontrollieren reicht als Sorgfalt nicht (B). Autoinjektoren gibt es in Dosierungen nach Körpergewicht (C). Und eine Anaphylaxie schreitet nicht immer gleichmäßig fort, sie kann sehr plötzlich verlaufen und biphasisch zurückkommen (E).

Echte PrüfungsfragePrüfung März 2021

Welche der folgenden Aussagen über die Erkrankung Ekzem treffen zu?

  1. Ein Kontaktekzem kann allergisch bedingt sein
  2. Die atopischen Ekzeme betreffen nur Kleinkinder
  3. Im Gegensatz zum Ekzem bildet das Exanthem häufig ein typisches Verteilungsmuster und zeigt einen zeitlichen Ablauf
  4. Häufiges Duschen, Seife, Parfüm etc. führen zur Austrocknung und Zerstörung des natürlichen Hautschutzes
  5. Die Behandlung eines akuten nässenden Ekzems sollte grundsätzlich mit einer fettenden Salbengrundlage erfolgen
  • A nur 1 und 4 sind richtig
  • B nur 2 und 3 sind richtig
  • C nur 1, 3 und 4 sind richtig
  • D nur 1, 4 und 5 sind richtig
  • E 1-5, alle sind richtig
Lösung anzeigen

Richtig ist C.

Ein Kontaktekzem kann allergisch sein, das ist der Typ IV (1). Ein Exanthem, der großflächige Ausschlag etwa bei Masern, zeigt anders als das Ekzem ein typisches Verteilungsmuster und einen zeitlichen Ablauf (3). Häufiges Duschen, Seife und Parfüm zerstören den Schutzmantel der Haut (4). Falsch: Atopische Ekzeme betreffen nicht nur Kleinkinder (2), und ein akutes nässendes Ekzem behandelt man feucht, nicht fettend, Merksatz feucht auf feucht (5).

Das musst du dir merken
  • Antigen ist das Türschild, Antikörper das Fahndungsfoto (B-Zelle wird Plasmazelle wird Antikörper, GAMED), Allergen der harmlose Fremde. Echte Allergie braucht die Sensibilisierung beim ersten Kontakt.
  • Pseudoallergie: keine Antikörper, kein Scharfstellen, schon beim ersten Kontakt. Rotwein, Käse, Zusatzstoffe, Aspirin.
  • Zwei Anker: Typ I bis III kämpfen mit Antikörpern, Typ IV mit T-Zellen. Zeit steigt von einer Minute (I) bis zu Tagen (IV).
  • I Mausefalle (IgE, Histamin, Heuschnupfen, Anaphylaxie), II falsche Blutkonserve (IgG, IgM, Transfusion), III Klumpen (Farmerlunge, Niere), IV Nickelknopf (T-Zellen, Kontaktekzem).
  • Anaphylaxie: ab Stadium zwei die 112, Lagerung nach Führungssymptom, Notfallstift, biphasisch, deshalb Klinik.

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