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Hepatitis A bis E: die Tabelle, die in der Prüfung immer kommt – und der Fall dazu

11 Minuten LesezeitStand: September 2026, Rechtsangaben am Gesetz geprüftVon André, Heilpraktiker Wissen Community

Seite aus dem Prüfungsskript Verdauung, Leber und Bewegungsapparat mit der Hepatitis-Tabelle
Die Hepatitis-Seite aus dem Prüfungsskript „Verdauung, Leber und Bewegungsapparat“ der Community. Die Merkregel steht rot: A und E durch den Mund, B, C und D durchs Blut.

Fünf Hepatitis-Viren, und für jedes brauchst du in der Prüfung genau vier Dinge: den Übertragungsweg, ob es chronisch wird, ob es eine Impfung gibt, und das Krebsrisiko. Die Merkregel dazu passt in zwei Sätze: A und E kommen durch den Mund, B, C und D durchs Blut. A und E gehen wieder weg, B, C und D können bleiben. Dazu die Rechtsfrage, die bei jeder Hepatitis mitläuft: Die akute Virushepatitis steht in § 6, du meldest den Verdacht selbst, und über § 24 gilt das Behandlungsverbot. Der Rest dieses Artikels ist die Tabelle, die drei Arten von Gelbsucht und der Fall, wie er in der mündlichen Prüfung läuft.

Die Tabelle

ÜbertragungVerlaufImpfungMerkpunkt
Hepatitis Afäkal-oral: verunreinigtes Wasser, Eiswürfel, Muscheln, Reiseimmer akut, niemals chronisch, keine Dauerausscheider, bei Kindern oft stummjadie Reisehepatitis. Urlaub am Mittelmeer plus Muscheln heißt Hepatitis A
Hepatitis Bparenteral: Blut, Sexualkontakt, Nadelstich, von der Mutter aufs Kindkann chronisch werden: bei Erwachsenen 5 bis 10 Prozent, beim Neugeborenen bis 90 Prozent. Zirrhose, Leberkrebsja, Standardimpfung für Säuglingeder Hochinfektiöse: hundertmal ansteckender als HIV, kleinste Blutmengen reichen. Einziges DNA-Virus der Gruppe
Hepatitis Cparenteral, vor allem Blut: früher Transfusionen, heute Nadeln, unsteriles Tätowieren; sexuell seltenhäufigste Chronifizierung, bis 80 Prozent. Zirrhose, Leberkrebsnein, das Virus mutiert zu starkder stille Chronifizierer: akut zu 85 Prozent ohne Symptome. Heute mit Tabletten zu über 95 Prozent heilbar
Hepatitis Dnur zusammen mit Hepatitis B, es braucht deren Hülleverschlechtert den B-Verlaufdie B-Impfung schützt mitdas defekte Virus: ohne B machtlos. Wer gegen B immun ist, kann nie an D erkranken
Hepatitis Efäkal-oral, bei uns vor allem über nicht durchgegartes Schweine- und Wildfleisch (Mett, Bratwurst)meist akut und mildin Deutschland keinedie Zoonose: gefährlich für Schwangere im letzten Drittel, Leberversagen möglich

Die Faustregel fürs Krebsrisiko: alle außer A. Und die Definition von chronisch: Das Virus ist länger als sechs Monate nachweisbar.

Zwei Prüfungsaussagen, die falsch sind und trotzdem immer wieder angeboten werden: „Hepatitis A verläuft bei Erwachsenen häufig chronisch.“ Nein, niemals. „Hepatitis C wird überwiegend durch Schmierinfektion übertragen.“ Nein, über Blut. Und eine dritte: „Eine Hepatitis ist immer Folge einer Infektion.“ Nein, es gibt auch die toxische Hepatitis durch Alkohol, Paracetamol in hoher Dosis oder den Knollenblätterpilz, die Autoimmunhepatitis (80 Prozent Frauen, mit Kortison behandelt) und die Fettleberhepatitis.

Die drei Arten von Gelbsucht

Gelb wird man durch Bilirubin, den Abbaustoff des roten Blutfarbstoffs. Alte rote Blutkörperchen werden zerlegt, dabei entsteht der gelbe Farbstoff, die Leber holt ihn aus dem Blut, macht ihn wasserlöslich und gibt ihn mit der Galle in den Darm ab. Dort färbt er den Stuhl braun, und ein Teil geht über die Niere und färbt den Urin gelb. Der Weg kann an drei Stellen hängen:

FormWas passiertStuhl und UrinBeispiele
prähepatisch (vor der Leber)zu viele rote Blutkörperchen zerfallen, die Leber kommt nicht hinterherStuhl normal braun, Urin normal, weil das Bilirubin noch nicht wasserlöslich istHämolyse, blass und gelb zugleich, große Milz
intrahepatisch (in der Leber)die Leberzelle ist krankStuhl hell wie Lehm, Urin dunkel wie BierHepatitis, Zirrhose, toxisch
posthepatisch (nach der Leber)der Abfluss ist verstopftStuhl hell, Urin dunkel, JuckreizGallenstein im Gang, Pankreaskopfkarzinom

Der Merksatz: Heller Stuhl plus dunkler Urin heißt Leber oder Abfluss. Stuhl und Urin normal heißt Zerfall. Der Juckreiz kommt von den Gallensäuren, die sich in der Haut ablagern. Sichtbar wird die Gelbfärbung zuerst am Weißen des Auges, an den Skleren, noch bevor die Haut gelb wird.

Die Symptome, in der richtigen Reihenfolge

Alle Virushepatitiden laufen ähnlich. Erst das Prodromalstadium, die Vorphase: grippig mit Fieber und Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit, Übelkeit, ein Widerwille gegen Fett und Alkohol, und der Prüfungsklassiker: Ekel vor Zigaretten. Dazu ein Druck im rechten Oberbauch, weil die entzündete Leber anschwillt und ihre Kapsel spannt. Dann, bei etwa einem Drittel, die ikterische Phase: gelbe Skleren und Haut, dunkler Urin, heller Stuhl, Juckreiz. Im Labor schießen die Transaminasen hoch, weil Leberzellen untergehen. Viele Hepatitiden, vor allem die C, laufen aber ganz ohne Gelbsucht. Dann ist das einzige Zeichen eine Müdigkeit, die nicht weggeht. Man sagt: Die Müdigkeit ist der Schmerz der Leber.

Der Fall: gelbe Haut, heller Stuhl, dunkler Urin

So läuft es in der mündlichen Prüfung, auf dem Standard in sieben Schritten:

So klingt das in der Prüfung

Prüfer: „Ein Mann, 47, seit einer Woche juckt die Haut, die Augen sind gelb, der Stuhl hell, der Urin dunkel.“

Du: „Wie sieht er aus, seit wann? Schleichend seit einer Woche, wach, klar, spricht normal: kein Notfall. Heller Stuhl plus dunkler Urin heißt Leber oder Abfluss, keine Hämolyse. Ich sammle: Hepatitis A, B, C, E, Gallenstein im Gang, Pankreaskopfkarzinom, toxisch durch Alkohol oder Paracetamol. Was ist Ihnen sonst aufgefallen?“

Prüfer: „Vorher ein paar Tage grippig, Übelkeit, plötzlich Widerwillen gegen fettes Essen und gegen Zigaretten.“

Du: „Das ist das Prodromalstadium einer Virushepatitis. Ein Tumor fängt nicht mit Grippe an, Steine nicht mit tagelanger Übelkeit ohne Kolik. Jetzt der Infekt-Dreier: Wer hat das noch, was gegessen, wo gewesen. Und ich frage weit zurück, denn die Inkubationszeit der Hepatitis A liegt bei zwei bis sechs Wochen.“

Prüfer: „Vor fünf Wochen Ägypten, Muscheln, Eiswürfel. Die Freundin hat seit drei Tagen Übelkeit.“

Du: „Ägypten vor fünf Wochen liegt genau im Fenster, Muscheln und Eiswürfel sind der fäkal-orale Weg, die Freundin könnte in ihrer Vorphase sein. Hepatitis A steht ganz oben. Nicht gegen A geimpft?“

Prüfer: „Gegen B geimpft, nicht gegen A. Feste Partnerin, kaum Alkohol, kein Paracetamol.“

Die Untersuchung nach IPPAF: Skleren, Haut (Kratzspuren, aber keine Zeichen der chronischen Leberkrankheit wie Gefäßsternchen oder Bauchwasser), dann die Leber tasten: zwei Fingerbreit unter dem Rippenbogen, druckschmerzhaft, glatt, das ist die akute Entzündung. Hart und höckerig wäre Zirrhose oder Tumor. Gallenblase nicht tastbar, Murphy-Zeichen negativ, also keine Gallenblasenentzündung und kein Courvoisier-Zeichen. Milz gerade eben tastbar, passt zum Virus. Urin-Stix: Bilirubin positiv, Urobilinogen erhöht, also kommt noch Farbstoff im Darm an, der Abfluss ist nicht komplett dicht. Das spricht für die Leberzelle, nicht für den Stein.

Verdachtsdiagnose: akute Virushepatitis, am ehesten Hepatitis A. Entscheidung: kein Notfall, aber Behandlungsverbot, denn die akute Virushepatitis steht in § 6 Absatz 1 Nummer 1 und die Hepatitis A zusätzlich in § 34, und § 24 verbietet dir Feststellung und Behandlung schon beim Verdacht. Die Serologie, der Antikörpernachweis, ist ein Erregernachweis, den du nicht führen darfst. Also zum Hausarzt oder Gastroenterologen: Serologie, Leberwerte, Gerinnung, Ultraschall. Eine spezielle Therapie gegen Hepatitis A gibt es nicht, sie heilt fast immer von selbst aus, der Arzt überwacht den Verlauf, denn selten wird eine Hepatitis fulminant mit Leberversagen.

Meldepflicht: Ja. Akute Virushepatitis, § 6, du meldest als Heilpraktiker selbst nach § 8, unverzüglich, spätestens innerhalb von 24 Stunden, den Verdacht, an das Gesundheitsamt am Aufenthaltsort. Du wartest nicht auf die Bestätigung.

Und die Aufklärung, die du immer mitgibst: Hepatitis A geht über den Stuhl, also Toilettenhygiene, Händewaschen, eigenes Handtuch, nicht für andere kochen. Die Freundin sofort untersuchen lassen. Kein Alkohol, kein Paracetamol, keine Arbeit im Lebensmittelbereich, bis der Arzt ihn freigibt.

Die Drehungen

Und wenn du das Thema lieber hörst als liest: Die Hörprobe auf der Startseite ist der Anfang des Leber-Hörbuchs aus der Community.

Echte PrüfungsfragePrüfung März 2026

Bei welchen der folgenden Erkrankungen oder Syndromen ist das Auftreten von Ikterus am wenigsten wahrscheinlich?

  • A Virushepatitis
  • B Gilbert-Meulengracht-Syndrom
  • C Pankreaskopfkarzinom
  • D Urolithiasis
  • E Choledocholithiasis
Lösung anzeigen

Richtig ist D.

Gefragt ist, wo eine Gelbsucht am unwahrscheinlichsten ist. Das ist die Urolithiasis, Harnsteine, denn die sitzen in den ableitenden Harnwegen und haben mit Leber und Galle nichts zu tun. Alle anderen machen typischerweise Ikterus: Virushepatitis (intrahepatisch), Meulengracht (harmlose Störung mit erhöhtem indirektem Bilirubin), Pankreaskopfkarzinom (drückt den Gallengang zu, posthepatisch) und Choledocholithiasis, der Stein im Gallengang (posthepatisch).

Echte PrüfungsfragePrüfung März 2013

Welche Aussage zur Hepatitis A trifft zu?

  • A Sie wird meist durch unsaubere Spritzen und Blutbestandteile übertragen
  • B Sie wird in der Regel mit Antibiotika behandelt
  • C Sie heilt fast regelmäßig vollständig aus
  • D Sie führt häufig zu einer Leberzirrhose
  • E Sie ist meist mit hohem Fieber verbunden
Lösung anzeigen

Richtig ist C.

Hepatitis A heilt fast immer vollständig und folgenlos aus, sie wird niemals chronisch. Über Spritzen und Blut werden Hepatitis B und C übertragen, nicht A (A ist falsch). Gegen Viren helfen keine Antibiotika (B). Eine Leberzirrhose als Folge ist typisch für B und C, nicht für A (D). Hohes Fieber ist untypisch, die Vorphase ist eher grippig-mild (E).

Das musst du dir merken
  • A und E durch den Mund, B, C und D durchs Blut. A und E gehen wieder weg, B, C und D können bleiben. Krebsrisiko: alle außer A. Impfung: A und B (B schützt vor D), C keine, E in Deutschland keine.
  • Prähepatisch: Stuhl und Urin normal, Zerfall. Intra- und posthepatisch: Stuhl hell, Urin dunkel, Juckreiz. Gelb zuerst in den Skleren.
  • Prodromalstadium: grippig, Übelkeit, Ekel vor Fett und Zigaretten, Druck rechts oben. Dann Ikterus. Oft aber nur Müdigkeit.
  • Akute Virushepatitis: § 6, du meldest den Verdacht selbst in 24 Stunden. § 24: Behandlungsverbot, keine Serologie durch dich.
  • Courvoisier heißt Tumor, Charcot-Trias heißt Cholangitis und Notfall. Bei jeder Gelbsucht Alkohol und Paracetamol weg, bei jeder Hepatitis die Kontaktpersonen im Blick.

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