Hepatitis A bis E: die Tabelle, die in der Prüfung immer kommt – und der Fall dazu

Fünf Hepatitis-Viren, und für jedes brauchst du in der Prüfung genau vier Dinge: den Übertragungsweg, ob es chronisch wird, ob es eine Impfung gibt, und das Krebsrisiko. Die Merkregel dazu passt in zwei Sätze: A und E kommen durch den Mund, B, C und D durchs Blut. A und E gehen wieder weg, B, C und D können bleiben. Dazu die Rechtsfrage, die bei jeder Hepatitis mitläuft: Die akute Virushepatitis steht in § 6, du meldest den Verdacht selbst, und über § 24 gilt das Behandlungsverbot. Der Rest dieses Artikels ist die Tabelle, die drei Arten von Gelbsucht und der Fall, wie er in der mündlichen Prüfung läuft.
Die Tabelle
| Übertragung | Verlauf | Impfung | Merkpunkt | |
|---|---|---|---|---|
| Hepatitis A | fäkal-oral: verunreinigtes Wasser, Eiswürfel, Muscheln, Reise | immer akut, niemals chronisch, keine Dauerausscheider, bei Kindern oft stumm | ja | die Reisehepatitis. Urlaub am Mittelmeer plus Muscheln heißt Hepatitis A |
| Hepatitis B | parenteral: Blut, Sexualkontakt, Nadelstich, von der Mutter aufs Kind | kann chronisch werden: bei Erwachsenen 5 bis 10 Prozent, beim Neugeborenen bis 90 Prozent. Zirrhose, Leberkrebs | ja, Standardimpfung für Säuglinge | der Hochinfektiöse: hundertmal ansteckender als HIV, kleinste Blutmengen reichen. Einziges DNA-Virus der Gruppe |
| Hepatitis C | parenteral, vor allem Blut: früher Transfusionen, heute Nadeln, unsteriles Tätowieren; sexuell selten | häufigste Chronifizierung, bis 80 Prozent. Zirrhose, Leberkrebs | nein, das Virus mutiert zu stark | der stille Chronifizierer: akut zu 85 Prozent ohne Symptome. Heute mit Tabletten zu über 95 Prozent heilbar |
| Hepatitis D | nur zusammen mit Hepatitis B, es braucht deren Hülle | verschlechtert den B-Verlauf | die B-Impfung schützt mit | das defekte Virus: ohne B machtlos. Wer gegen B immun ist, kann nie an D erkranken |
| Hepatitis E | fäkal-oral, bei uns vor allem über nicht durchgegartes Schweine- und Wildfleisch (Mett, Bratwurst) | meist akut und mild | in Deutschland keine | die Zoonose: gefährlich für Schwangere im letzten Drittel, Leberversagen möglich |
Die Faustregel fürs Krebsrisiko: alle außer A. Und die Definition von chronisch: Das Virus ist länger als sechs Monate nachweisbar.
Zwei Prüfungsaussagen, die falsch sind und trotzdem immer wieder angeboten werden: „Hepatitis A verläuft bei Erwachsenen häufig chronisch.“ Nein, niemals. „Hepatitis C wird überwiegend durch Schmierinfektion übertragen.“ Nein, über Blut. Und eine dritte: „Eine Hepatitis ist immer Folge einer Infektion.“ Nein, es gibt auch die toxische Hepatitis durch Alkohol, Paracetamol in hoher Dosis oder den Knollenblätterpilz, die Autoimmunhepatitis (80 Prozent Frauen, mit Kortison behandelt) und die Fettleberhepatitis.
Die drei Arten von Gelbsucht
Gelb wird man durch Bilirubin, den Abbaustoff des roten Blutfarbstoffs. Alte rote Blutkörperchen werden zerlegt, dabei entsteht der gelbe Farbstoff, die Leber holt ihn aus dem Blut, macht ihn wasserlöslich und gibt ihn mit der Galle in den Darm ab. Dort färbt er den Stuhl braun, und ein Teil geht über die Niere und färbt den Urin gelb. Der Weg kann an drei Stellen hängen:
| Form | Was passiert | Stuhl und Urin | Beispiele |
|---|---|---|---|
| prähepatisch (vor der Leber) | zu viele rote Blutkörperchen zerfallen, die Leber kommt nicht hinterher | Stuhl normal braun, Urin normal, weil das Bilirubin noch nicht wasserlöslich ist | Hämolyse, blass und gelb zugleich, große Milz |
| intrahepatisch (in der Leber) | die Leberzelle ist krank | Stuhl hell wie Lehm, Urin dunkel wie Bier | Hepatitis, Zirrhose, toxisch |
| posthepatisch (nach der Leber) | der Abfluss ist verstopft | Stuhl hell, Urin dunkel, Juckreiz | Gallenstein im Gang, Pankreaskopfkarzinom |
Der Merksatz: Heller Stuhl plus dunkler Urin heißt Leber oder Abfluss. Stuhl und Urin normal heißt Zerfall. Der Juckreiz kommt von den Gallensäuren, die sich in der Haut ablagern. Sichtbar wird die Gelbfärbung zuerst am Weißen des Auges, an den Skleren, noch bevor die Haut gelb wird.
Die Symptome, in der richtigen Reihenfolge
Alle Virushepatitiden laufen ähnlich. Erst das Prodromalstadium, die Vorphase: grippig mit Fieber und Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit, Übelkeit, ein Widerwille gegen Fett und Alkohol, und der Prüfungsklassiker: Ekel vor Zigaretten. Dazu ein Druck im rechten Oberbauch, weil die entzündete Leber anschwillt und ihre Kapsel spannt. Dann, bei etwa einem Drittel, die ikterische Phase: gelbe Skleren und Haut, dunkler Urin, heller Stuhl, Juckreiz. Im Labor schießen die Transaminasen hoch, weil Leberzellen untergehen. Viele Hepatitiden, vor allem die C, laufen aber ganz ohne Gelbsucht. Dann ist das einzige Zeichen eine Müdigkeit, die nicht weggeht. Man sagt: Die Müdigkeit ist der Schmerz der Leber.
Der Fall: gelbe Haut, heller Stuhl, dunkler Urin
So läuft es in der mündlichen Prüfung, auf dem Standard in sieben Schritten:
Prüfer: „Ein Mann, 47, seit einer Woche juckt die Haut, die Augen sind gelb, der Stuhl hell, der Urin dunkel.“
Du: „Wie sieht er aus, seit wann? Schleichend seit einer Woche, wach, klar, spricht normal: kein Notfall. Heller Stuhl plus dunkler Urin heißt Leber oder Abfluss, keine Hämolyse. Ich sammle: Hepatitis A, B, C, E, Gallenstein im Gang, Pankreaskopfkarzinom, toxisch durch Alkohol oder Paracetamol. Was ist Ihnen sonst aufgefallen?“
Prüfer: „Vorher ein paar Tage grippig, Übelkeit, plötzlich Widerwillen gegen fettes Essen und gegen Zigaretten.“
Du: „Das ist das Prodromalstadium einer Virushepatitis. Ein Tumor fängt nicht mit Grippe an, Steine nicht mit tagelanger Übelkeit ohne Kolik. Jetzt der Infekt-Dreier: Wer hat das noch, was gegessen, wo gewesen. Und ich frage weit zurück, denn die Inkubationszeit der Hepatitis A liegt bei zwei bis sechs Wochen.“
Prüfer: „Vor fünf Wochen Ägypten, Muscheln, Eiswürfel. Die Freundin hat seit drei Tagen Übelkeit.“
Du: „Ägypten vor fünf Wochen liegt genau im Fenster, Muscheln und Eiswürfel sind der fäkal-orale Weg, die Freundin könnte in ihrer Vorphase sein. Hepatitis A steht ganz oben. Nicht gegen A geimpft?“
Prüfer: „Gegen B geimpft, nicht gegen A. Feste Partnerin, kaum Alkohol, kein Paracetamol.“
Die Untersuchung nach IPPAF: Skleren, Haut (Kratzspuren, aber keine Zeichen der chronischen Leberkrankheit wie Gefäßsternchen oder Bauchwasser), dann die Leber tasten: zwei Fingerbreit unter dem Rippenbogen, druckschmerzhaft, glatt, das ist die akute Entzündung. Hart und höckerig wäre Zirrhose oder Tumor. Gallenblase nicht tastbar, Murphy-Zeichen negativ, also keine Gallenblasenentzündung und kein Courvoisier-Zeichen. Milz gerade eben tastbar, passt zum Virus. Urin-Stix: Bilirubin positiv, Urobilinogen erhöht, also kommt noch Farbstoff im Darm an, der Abfluss ist nicht komplett dicht. Das spricht für die Leberzelle, nicht für den Stein.
Verdachtsdiagnose: akute Virushepatitis, am ehesten Hepatitis A. Entscheidung: kein Notfall, aber Behandlungsverbot, denn die akute Virushepatitis steht in § 6 Absatz 1 Nummer 1 und die Hepatitis A zusätzlich in § 34, und § 24 verbietet dir Feststellung und Behandlung schon beim Verdacht. Die Serologie, der Antikörpernachweis, ist ein Erregernachweis, den du nicht führen darfst. Also zum Hausarzt oder Gastroenterologen: Serologie, Leberwerte, Gerinnung, Ultraschall. Eine spezielle Therapie gegen Hepatitis A gibt es nicht, sie heilt fast immer von selbst aus, der Arzt überwacht den Verlauf, denn selten wird eine Hepatitis fulminant mit Leberversagen.
Meldepflicht: Ja. Akute Virushepatitis, § 6, du meldest als Heilpraktiker selbst nach § 8, unverzüglich, spätestens innerhalb von 24 Stunden, den Verdacht, an das Gesundheitsamt am Aufenthaltsort. Du wartest nicht auf die Bestätigung.
Und die Aufklärung, die du immer mitgibst: Hepatitis A geht über den Stuhl, also Toilettenhygiene, Händewaschen, eigenes Handtuch, nicht für andere kochen. Die Freundin sofort untersuchen lassen. Kein Alkohol, kein Paracetamol, keine Arbeit im Lebensmittelbereich, bis der Arzt ihn freigibt.
Die Drehungen
- „65 Jahre, schmerzlos gelb, zehn Kilo abgenommen, prall gefüllte, schmerzlose Gallenblase tastbar.“ Das ist das Courvoisier-Zeichen: Verdacht auf Pankreaskopfkarzinom. Kein Verbot, keine Meldung, aber Sorgfaltspflicht und weitergehende Verfahren, Ultraschall und CT, zügig.
- „Kolikartige Schmerzen rechts oben nach fettem Essen, jetzt Fieber mit Schüttelfrost und gelb.“ Kolik plus Fieber mit Schüttelfrost plus Gelbsucht ist die Charcot-Trias: Cholangitis, eitrige Entzündung der Gallenwege durch einen eingeklemmten Stein. Notfall, denn daraus wird schnell eine Sepsis. Rettungsdienst.
- „Junger Mann, Tattoo im Urlaub, seit Wochen müde, Gelenkschmerzen, jetzt gelb.“ Blutkontakt, Vorphase mit Gelenkschmerzen: Verdacht auf Hepatitis B. § 6, Verdacht melden, Behandlungsverbot, Serologie beim Arzt. Partnerin testen und impfen, bis dahin Kondome.
- „Blass-gelb, Stuhl normal braun, Urin nicht dunkel, Milz deutlich vergrößert.“ Stuhl und Urin normal heißt Zerfall: Hämolyse, die prähepatische Gelbsucht. Kein Verbot, keine Meldung, Sorgfaltspflicht, Blutbild beim Arzt.
Und wenn du das Thema lieber hörst als liest: Die Hörprobe auf der Startseite ist der Anfang des Leber-Hörbuchs aus der Community.
Bei welchen der folgenden Erkrankungen oder Syndromen ist das Auftreten von Ikterus am wenigsten wahrscheinlich?
- A Virushepatitis
- B Gilbert-Meulengracht-Syndrom
- C Pankreaskopfkarzinom
- D Urolithiasis
- E Choledocholithiasis
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Richtig ist D.
Gefragt ist, wo eine Gelbsucht am unwahrscheinlichsten ist. Das ist die Urolithiasis, Harnsteine, denn die sitzen in den ableitenden Harnwegen und haben mit Leber und Galle nichts zu tun. Alle anderen machen typischerweise Ikterus: Virushepatitis (intrahepatisch), Meulengracht (harmlose Störung mit erhöhtem indirektem Bilirubin), Pankreaskopfkarzinom (drückt den Gallengang zu, posthepatisch) und Choledocholithiasis, der Stein im Gallengang (posthepatisch).
Welche Aussage zur Hepatitis A trifft zu?
- A Sie wird meist durch unsaubere Spritzen und Blutbestandteile übertragen
- B Sie wird in der Regel mit Antibiotika behandelt
- C Sie heilt fast regelmäßig vollständig aus
- D Sie führt häufig zu einer Leberzirrhose
- E Sie ist meist mit hohem Fieber verbunden
Lösung anzeigen
Richtig ist C.
Hepatitis A heilt fast immer vollständig und folgenlos aus, sie wird niemals chronisch. Über Spritzen und Blut werden Hepatitis B und C übertragen, nicht A (A ist falsch). Gegen Viren helfen keine Antibiotika (B). Eine Leberzirrhose als Folge ist typisch für B und C, nicht für A (D). Hohes Fieber ist untypisch, die Vorphase ist eher grippig-mild (E).
- A und E durch den Mund, B, C und D durchs Blut. A und E gehen wieder weg, B, C und D können bleiben. Krebsrisiko: alle außer A. Impfung: A und B (B schützt vor D), C keine, E in Deutschland keine.
- Prähepatisch: Stuhl und Urin normal, Zerfall. Intra- und posthepatisch: Stuhl hell, Urin dunkel, Juckreiz. Gelb zuerst in den Skleren.
- Prodromalstadium: grippig, Übelkeit, Ekel vor Fett und Zigaretten, Druck rechts oben. Dann Ikterus. Oft aber nur Müdigkeit.
- Akute Virushepatitis: § 6, du meldest den Verdacht selbst in 24 Stunden. § 24: Behandlungsverbot, keine Serologie durch dich.
- Courvoisier heißt Tumor, Charcot-Trias heißt Cholangitis und Notfall. Bei jeder Gelbsucht Alkohol und Paracetamol weg, bei jeder Hepatitis die Kontaktpersonen im Blick.
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